Die Landesgartenschau in SchweinfurtDer Entwurf

Planorama Landschaftsarchitektur Berlin

  • Planorama mit Maik Böhmer (rechts im Bild)
    Planorama mit Maik Böhmer (rechts im Bild)

Planorama Landschaftsarchitektur, 2006 in Berlin von Maik Böhmer gegründet, ist ein Team aus Landschaftsarchitekten, Architekten, Stadtplanern, Designern und Ingenieuren, die sich alle gemeinsam der hochwertigen Gestaltung unseres Lebensumfeldes verschrieben haben. Gemeinsam verfügen sie über mehr als 300 Jahre geballte Berufserfahrung und Knowhow, die uns stark machen für die Herausforderungen der Zukunft. Das Team bietet das komplette Leistungsspektrum für die Planung und den Bau hochwertiger Freiräume aus einer Hand. Planorama entwirft gerne, plant gerne und baut gerne. Das mehrfach ausgezeichnete Team hat bereits bei mehreren Gartenschauen mitgewirkt, unter anderem in Schwerin, Hamburg, Landau oder Wassertrüdingen.

Gespräch mit Maik Böhmer, Planorama Landschaftsarchitektur Berlin

Was war denn Ihr Eindruck, als Sie zum ersten Mal das Gelände gesehen haben?
Maik Böhmer: Gemeinsam mit meinem Partner Fabian Karle besuchte ich das Gelände an einem der ersten heißen Tage des Jahres. Vor Ort bot sich ein Anblick unbegrünter offener Bodenflächen, soweit das Auge reichte. Der erste Eindruck war ernüchternd, da es kaum historisch gewachsene Spuren gab, an denen man sich optisch festhalten konnte. Wir wussten zwar gleich, dass es keine einfache Aufgabe wird, haben aber auch das große Potenzial gesehen, hier wirklich eine nennenswerte zusammenhängende Grünfläche schaffen zu können.

Worin bestand die besondere Herausforderung, für das ehemalige Kasernengelände einen Park zu entwickeln, der den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht wird?
Die Herausforderung bestand für uns nicht darin, unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht zu werden. Sie bestand viel mehr darin, einem – vereinfacht gesagt – »weißen Rechteck« ohne nennenswert verbliebenen Inhalt Gestalt zu verleihen. Einfach alles war möglich. Welche Formensprachen würde eine Jury hier wohl bevorzugen?

Wie stark hat Sie die bestehende Geländestruktur beeinflusst?
Wir haben sehr viele verschiedene Ansätze getestet und wieder verworfen. Es hat eine Zeit gedauert, bis wir erkannt haben, uns nicht von der ursprünglichen geometrischen Rasterstruktur der Kaserne verführen zu lassen. Diese Rasterstruktur fand sich auch in den meisten Vorstudien wieder, wodurch jeweils eine große Strenge entstand, die wir gerne auflösen wollten. Auch eine sinnvolle und selbstverständliche Anknüpfung an die umliegenden Ränder war nicht leicht. Nachdem wir dann eine gut proportionierte Formensprache entwickelt hatten, die uns gefiel, ergab sich aus der topografischen Staffelung des Geländes in drei Höhenterrassen eine relativ selbstverständliche Zuweisung unterschiedlicher Nutzungszonen.

Das Thema Klimaanpassung spielt in Schweinfurt 2026 eine größere Rolle, als das vielleicht in der Vergangenheit bei Gartenschauen der Fall war. Mit welchen Mitteln haben Sie darauf reagiert?
Im Vordergrund steht eine überwiegend grüne Gestaltung mit wenig befestigten Flächenanteilen, die mehrheitlich extensiv, also ohne übermäßige Intensivpflege, funktioniert. Das Grün kann so seinen Beitrag zum Wasserhaushalt, zur Verdunstung (= Kühlung) und Beschattung voll entfalten, sowie Kohlenstoffdioxid binden. Die Parkwiesen sollen, wo möglich, sehr extensiv und artenreich gestaltet werden, mit einem hohen Blütenangebot und Nahrung für Insekten. Ein Stück Natur soll so als wertvoller Lebensraum in die Stadt zurückkehren.

Worauf lag bei der Pflanzenauswahl Ihr Augenmerk?
Nicht zuletzt wird natürlich die Artenauswahl der neu zu pflanzenden Gehölze entscheidend sein, wie wir in den vergangenen Hitzesommern an den Wäldern vor der eigenen Haustüre erfahren haben. Es wird also eine Mischung aus heimischen hitze- und trockenheitsverträglichen Arten und Exoten sowie bewusste Sukzession in Teilpartien zum Einsatz kommen. Die riesigen Flächen werden nicht alle mit den üblichen Baumschul-Solitären bepflanzt werden können.

Wie gehen Sie mit dem Thema Bewässerung um?
In der Parkwiese werden, soweit es die Untergrundverhältnisse endgültig zulassen (mögliche Verunreinigungen), großflächige Versickerungsflächen angelegt, auf denen die Niederschläge der umgebenden Beläge und Dachflächen standortnah wieder dem Wasserkreislauf vor Ort zugeführt werden. Die Flächen haben auch eine wichtige Pufferfunktion bei Starkregenereignissen, um Schäden an anderen höherwertigen Flächen zu reduzieren. Nicht zuletzt sind diese Flächen durch ihre Bepflanzungen auch optisch schön und bereichern den Genuss beim Parkbesuch.

Die so genannte Schwammstadt ist derzeit in aller Munde. Wäre das eine Möglichkeit auch für Schweinfurt?
Die Stadt Schweinfurt hat laut Wettbewerbsauslobung vorgesehen zu prüfen, ob die Flächen mit aufbereiteten Wässern der städtischen Kläranlage an heißen Tagen zusätzlich bewässert werden können. Und die »Schwammstadt« gibt Möglichkeiten an die Hand, im Untergrund weitere Speicherschichten für Trockenzeiten anzulegen. Diese Varianten sind jedoch auch sehr kostenintensiv, da große Massen bewegt und ausgetauscht werden müssen. In der bevorstehenden Planung wird abzuwägen sein, was wirklich realisierbar ist.

Was lag Ihnen beim Thema Sport- und Freizeit besonders am Herzen?
Sport- und Spielangebote gestalten zu dürfen ist immer besonders reizvoll und bietet meist die Möglichkeit zu spannungsvollen Kontrasten. Uns ist es wichtig, Angebote für alle Generationen anzubieten und dadurch ein Miteinander anzuregen und das Sozialleben zu fördern. Durch Corona haben wir gelernt wie wichtig das für uns alle ist. Die Angebote sollten dabei selbstverständlich barrierefrei und möglichst inklusiv sein, so dass alle teilhaben können. Gerade im Spiel können wir lernen, niemanden auszuschließen. Die Angebote sollen außerdem nicht nur technisch-funktional stimmig sein, sondern auch schön und ansprechend gestaltet sein. Im Hinblick auf das oben angesprochene Thema Klimawandel werden hier auch Wasserspielplätze wichtiger werden, die an heißen Tagen Abkühlung und Erfrischung bieten.